The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame mit Rosenband im Haar

Joseph Marie Bouton

Wie sehr infolge der Französischen Revolution Schlichtheit und Natürlichkeit zu Idealen wurden, zeigt diese Miniatur von Bouton. Mit schräg gestelltem Körper schaut die Dargestellte den Betrachter zwar beinahe frontal, aber mit etwas verhaltenem Blick an. Das helle Chemisenkleid à la grecque mit blauem Rand am kurzen Oberärmel und einem blauen Gürtel1 kontrastiert zu dem Dunkel der Parklandschaft im Hintergrund und korrespondiert in der Fältelung des Stoffes mit dem wilden Wuchs der Pflanzen. Das lockige, offen über die Schulter fallende Haar ist mit einem - ebenfalls blauen - Band, durch das rosa Rosen geflochten sind, zusammengehalten. Der feine Musselinstoff sowie die zarten Blüten im Haar unterstützen den Eindruck von Anmut und Duftigkeit, der auch das Kolorit des Gesichtes bestimmt.
J. S. O.

1 Die dem antiken Vorbild nachempfundenen durchsichtigen und locker fallenden Chemisenkleider entsprachen dem neuen Ideal der Natürlichkeit und Schlichtheit. Der Körper wurde nicht mehr durch ein einengendes Korsett zusammengeschnürt, und die Silhouette wirkte eine vorteilhafte Figur der Trägerin vorausgesetzt kindlich-natürlich. In der damals wichtigsten deutschen Modezeitung, dem in Weimar erscheinenden »Journal des Luxus und der Moden« berichtet der Pariser Korrespondent 1792 von einer solchen weißen Robe en chemise: »[...] und es hat eine blaue Randverzierung am Oberarm, einen breiten hellblauen Gürtel von Atlas und unten am Rock nochmals eine Einfassung von hellblauem Band [...] Diese Kleidform, die weiße Chemise mit hellblauem Gürtel und ebensolchem Bandwerk ausgestattet, wird das Festkleid der Zukunft, das noch eine Art von Brauchtumscharakter annimmt «. Journal des Luxus und der Moden, 1792. Zitiert nach: Bringemeier 1981, S. 38f.