Dame in blauem Kleid mit Haarcollier
Frederik Christian Camradt
Die Miniaturporträts des Dänen Frederik Christian Camradt sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders wenn er nach dem lebenden Modell malte, fallen bestimmte Eigenarten seines Stils auf.1 Die Augen sind stark betont und trotz des meist kräftig gemalten Oberlides weit geöffnet, wobei die betont dunkle Pupille sichtbar wird. Auch die Lippen sind kräftig, meist aufgeworfen, wiedergegeben. Der Grundton ist warm, es herrschen dunkle Farben in der Kleidung sowie Rot- und Brauntöne vor.
Auch das vorliegende Porträt zeigt diese Eigenschaften. Dabei gelang Camradt eine durchaus eindrucksvolle individuelle und ungekünstelte Darstellung eines jungen Mädchens mit ungewöhnlichem Schmuck: Neben einem dreistufigen Ohrgehänge trägt sie einen Halsschmuck aus Haar, der vorn mit einem gefassten Stein geschlossen wird.
Menschliches Haar wurde seit dem 18. Jahrhundert in der Schmuckproduktion gebräuchlich. Dies entstand aus dem Wunsch, sich einem geliebten oder einem verstorbenen Menschen nahe zu fühlen. Besonders in England war die rückseitige Gestaltung eines Miniaturporträts mit einer Haarlocke oder einem gestalteten Gebilde aus Haar beliebt. Geflochtener Haarschmuck war hingegen eine deutsche Besonderheit und hatte seine Blütezeit im 19. Jahrhundert. Er wurde oftmals von Amateurinnen gefertigt, die nach Anleitungen arbeiteten.2
J. S. O.