The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Françoise de Châlus, Duchesse de Narbonne (nach Labille-Guiard)

Marie Gabrielle Capet

Die Dame im leuchtend violetten Kleid wurde früher irrtümlich als Madame Adélaïde, Tochter König Ludwigs XV., bezeichnet,1 konnte nun durch Heranziehen von Vergleichsporträts aber als Duchesse de Narbonne identifiziert werden.2 Capet nahm für ihre Miniatur ein Gemälde ihrer Lehrmeisterin Labille-Guiard als Vorlage, verjüngte die Dargestellte aber, indem sie das Doppelkinn abschwächte und den Ausdruck freundlicher gestaltete.

Françoise de Châlus wurde 1734 als Tochter von Gabriel de Châlus, Seigneur de Sansac, geboren. Sie heiratete 1749 Jean-François de Narbonne-Lara, der in der Gefolgschaft des Infanten Philipp von Bourbon-Spanien am Hof in Parma lebte. Als Sechzehn-jährige brachte sie ihren ersten Sohn Philippe zur Welt, fünf Jahre später den Sohn Louis. Dieser besaß angeblich eine so verblüffende Ähnlichkeit mit Ludwig XV., dass er den Spottnamen Demi-Louis (Halber Ludwig) erhielt und als sein Sohn galt. Die Duchesse de Narbonne zog später als Hofdame von Madame Adélaïde an den Versailler Hof. Sie überlebte die Französische Revolution im Exil in Italien und ging 1811 zurück nach Frankreich, wo sie zehn Jahre später starb.

1787, im selben Jahr wie Madame Adélaïde, ließ sich vermutlich auch die Duchesse de Narbonne von Labille-Guiard porträtieren, jedenfalls waren in diesem Jahr beide Bildnisse im Pariser Salon zu sehen. Kurze Zeit später dürfte die Miniatur Capets entstanden sein. Marie-Gabrielle Capet verdankte ihrer Lehrmeisterin mehrere Aufträge des Königshauses. Als eigenständige und selbstbewusste Künstlerin trat sie erst während der Revolutionszeit in Erscheinung.

B.P.

1 Vgl. Christie’s Genf, 15. 11. 1988, Nr. 479.

2 Jean-Jacques Petit, Laurent Hugues und Pierre Papeloux, Paris, sei für ihre Hilfe bei der Identifikation der Dame herzlich gedankt.