The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Selbstbildnis

Jean-Baptiste Couvelet

Das kleine Herrenbildnis gelangte als Porträt eines unbekannten Mannes in die Sammlung Tansey, konnte aber anhand einer Druckgraphik als ein Selbstbildnis des Miniaturmalers Jean-Baptiste Couvelet identifiziert werden.1 Der Künstler ist im Profil dargestellt, dreht den Kopf zum Bildbetrachter und blickt diesen an. Tatsächlich erforscht er seine Züge in einem Spiegel, um sein Antlitz möglichst naturgetreu wiederzugeben. Vermutlich entstand auf diese Weise zuerst eine Zeichnung, die als Vorlage für die Miniatur diente.2
Jean-Baptiste Couvelet zählt zu den talentiertesten Miniaturisten seiner Zeit. Nachdem der Künstler in seiner Jugend einige Jahre in Paris studiert hatte, ließ er sich in Charleville nieder, einer französischen Stadt nahe der Grenze zum heutigen Belgien. Hier lebte er mit seiner Frau Marguerite Adélaïde Colson und seinen fünf Kindern.3 Er verdiente seinen Unterhalt als Porträtmaler in Öl und Miniatur, arbeitete aber auch als Lehrer an der lokalen Zeichenschule. Couvelets Werke wirken durch die ungeschminkte und deshalb manchmal wenig schmeichelhafte Wiedergabe der Mo delle bodenständig und ehrlich. Sie wurden manchmal als »provinziell« bezeichnet,4 besitzen durch ihren Realismus aber eine eigentümliche Faszination.
B. P.

1 Die Radierung gibt die Miniatur seitenverkehrt wieder (oval, 10 x 8 cm, Privatbesitz, vgl. Chaignet-Sortais 2013, S. 65). Zu Couvelets Leben und Werk, vgl. Emile Baudson, Henri Labaste, Un artiste ardennais. Le peintre J.-B. Couvelet et son temps (1772-1830), Mezières-Charleville 1934, und Bernadette Chaignet-Sortais, „Jean-Baptiste Couvelet, Jean-Baptiste Ponce Lambert, Angélique Bouillet: Œuvres en miniature“, in: Lemoine-Bouchard 2013, S. 63-69.
2 Die Radierung ist fast doppelt so groß wie die Miniatur. Neben mehreren Selbstporträts in Öl kennt man von Couvelet auch eine Miniatur, die sein Freund Jean-Baptiste Ponce Lambert von ihm malte (Privatbesitz, abgebildet in Chaignet-Sortais 2013, S. 67).
3 In einem Familienporträt stellte sich der Künstler 1811 beim Malen seiner Gattin dar, umringt von den drei Söhnen und zwei Töchtern (abgebildet in Baudson und Labaste 1934, Tafel V).
4 Vgl. Chaignet-Sortais 2013, S. 65.