Selbstbildnis
Jean-Baptiste Couvelet
Das kleine Herrenbildnis gelangte als Porträt eines unbekannten Mannes in die Sammlung Tansey, konnte aber anhand einer Druckgraphik als ein Selbstbildnis des Miniaturmalers Jean-Baptiste Couvelet identifiziert werden.1 Der Künstler ist im Profil dargestellt, dreht den Kopf zum Bildbetrachter und blickt diesen an. Tatsächlich erforscht er seine Züge in einem Spiegel, um sein Antlitz möglichst naturgetreu wiederzugeben. Vermutlich entstand auf diese Weise zuerst eine Zeichnung, die als Vorlage für die Miniatur diente.2
Jean-Baptiste Couvelet zählt zu den talentiertesten Miniaturisten seiner Zeit. Nachdem der Künstler in seiner Jugend einige Jahre in Paris studiert hatte, ließ er sich in Charleville nieder, einer französischen Stadt nahe der Grenze zum heutigen Belgien. Hier lebte er mit seiner Frau Marguerite Adélaïde Colson und seinen fünf Kindern.3 Er verdiente seinen Unterhalt als Porträtmaler in Öl und Miniatur, arbeitete aber auch als Lehrer an der lokalen Zeichenschule. Couvelets Werke wirken durch die ungeschminkte und deshalb manchmal wenig schmeichelhafte Wiedergabe der Mo delle bodenständig und ehrlich. Sie wurden manchmal als »provinziell« bezeichnet,4 besitzen durch ihren Realismus aber eine eigentümliche Faszination.
B. P.