Dame in schwarzem Kleid mit Pelzstola
Flavien-Emmanuel Chabanne
Die junge Frau, die sich 1831 vom Lyoner Miniaturmaler Flavien-Emmanuel Chabanne porträtieren ließ, entschied sich für ein nüchternes, fast düsteres Bildnis: Sie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid und um den Hals eine schmale braune Pelzstola. Das dunkle Haar hat sie seitlich über den Ohren in Locken gelegt, am Hinterkopf ist ein Haarteil schleifenartig hochgesteckt.
Die Strenge des Bildes wird durch den in dunklen Grün- und Brauntönen gestalteten Hintergrund noch verstärkt. Immerhin verleiht die ungewohnte Haltung der Dame – sie sitzt auf einem Stuhl und blickt den Betrachter über die rechte Schulter an – dem Bildnis eine jugendlich eigenwillige Note. Der Künstler wählte eine in der Miniaturmalerei seltene Beleuchtung. Das Licht fällt nicht, wie bei rechtshändigen Malern aus praktischen Gründen üblich, von links auf sein Modell, sondern von rechts.
Chabanne war in den Augen eines Kunstkritikers 1830 einer der wenigen Miniaturisten, die sich in dieser Kunstgattung hervortaten. »Seine Miniaturen, die zu Recht gelobt werden, zeichnen sich durch die Vereinigung aller Qualitäten aus, die von einem Mann und Künstler in Sachen Geschmack bei einem Porträt gefordert werden: reine und exakte Zeichnung, intelligente Modellierung, geistreicher Strich, individuelle Farben und überall vollkommene Ähnlichkeit.«1
B. P.